Elektrostatisches Objekt, o.T.

Moderne _ Sammlung DKM _ 0002

Elektrostatisches Objekt, o.T., 1970, Erich Reusch
Foto: Werner J. Hannappel

Plexiglas, Kohlenstaub


Von dem Künstler Erich Reusch, der 1925 in Wittenberg-Lutherstadt, geboren wurde, lässt sich sagen, dass er die Entwicklung der Plastik in den fünfziger und sechziger Jahren entscheidend geprägt hat. Nicht ein singuläres Werk ist für ihn bedeutsam. Wichtig für den ausgebildeten Architekten ist die Inszenierung eines Raumes, sei es in einem Gebäude oder im Außenbereich. So entwickelt er mehrteilige, komplexe Formen- und Kräftekonstellationen. Es geht ihm darum den Raum für den Besucher erfahrbar zu machen. Er lässt zwischen den Arbeiten ein Kräfteverhältnis entstehen, dass seine Wirkung unmittelbar spürbar werden lässt.
Im ersten Stock des Museums DKM hat Erwin Reusch einen ganzen Raum installiert, der mit unterschiedlichen Arbeiten, wie etwa Fotomontagen, Zeichnungen und den sog. elektrostatischen Objekten bestückt ist. Ganz bewusst sind die Objekte platziert, auf Symmetrie wird verzichtet. Der Besucher findet sich hier in einem Kraftfeld energetischer Wechselbeziehungen wieder. Verstärkt wird der Eindruck dadurch, dass sich der Betrachter im Raum bewegt. Zudem gewährt die Möglichkeit des Durchblicks durch die elektrostatischen Objekte den Aufbau unzähliger Wechselbeziehungen. Es ist ein Spiel mit Wandel und Verwandlung, dem Wachsen und dem Abflauen von Spannung. Gesteigert wird dieser Eindruck für den Betrachter durch die Materialität der elektrostatischen Objekte. Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen dem harten, scharfkantigen Plexiglas und dem diffus hingehauchten Kohlestaub. Zwischen der starren Monumentalität der Plexiglaskästen und der fließenden Bewegung des Rußes, der auf den Scheiben anhaftet, findet sich ein weiteres Spannungsmoment. Diese Arbeiten unterliegen einem beständigen Wandlungsprozess. So können sich die Glasscheiben mittels Reibung oder durch Induktion eines Kurzwellensenders elektrostatisch aufladen und die Strukturen des Kohlestaubes immer neuen Formen zugeführt werden. Darin liegt das Faszinierende dieser Arbeiten.

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