Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum

ULRICH TILLMANN

21.01.2001 – 08.04.2002

Ulrich Tillmann, Ausstellungsansicht Galerie DKM
Foto: SDKM

Schon seit langem ist Klaus Peter Schnüttger-Webs eine gesicherte Größe im Kunstbetrieb.

Unvergessen bleibt die glanzvolle Eröffnung des Klaus Peter Schnüttger-Webs Museums am 6. September 1986 in Köln-Volkhoven, der sich zum Ärger des Gründungsdirektors Ulrich Tillmann am gleichen Tag die Eröffnung des Wallraf-Richartz Museum, Museum Ludwig anschloss.
Verkehrsgünstig gelegen an der Autobahn Köln-Düsseldorf, Abfahrt Chorweiler, entstand im Kölner Norden nach frühen Baumaterialskizzen von Klaus Peter Schnüttger-Webs dieser prachtvolle Bau, der in der Museumsarchitektur neue Maßstäbe setzt. Der überflutungssichere Parkplatz mit beheizbaren Einstellplätzen ist jedem Andrang gewachsen. Mit einer 30m-Wildwasserrutsche durch den Skulpturengarten und einem Abenteuerlabyrinth durch die Graphiksammlung erfüllt das Bauwerk im höchsten Maße die Anforderungen des modernen Museumsbesuchers und Kunstliebhabers.
Leider musste das mit beträchtlichen Mitteln des Kulturamtes der Stadt Köln und privater Träger ermöglichte Museum bereits einen Tag nach Eröffnung wieder schließen wegen der enormen Folgekosten. Seitdem bemüht sich Tillmann, auch ohne festes Haus und Personal die Erinnerung an den bedeutenden Künstler, Designer, Architekten, Filmemacher, Regisseur und Theoretiker wachzuhalten. In zahlreichen Diavorträgen und Führungen (z.B. durch die von Schnüttger-Webs beeinflusste Architektur im Wohnpark Egelspfad Köln, initiiert vom Kölnischen Kunstverein) und in verschiedenen Ausstellungen wurden einzelne Facetten des umfangreichen Werkes vorgestellt.
Zur zukünftigen Standortplanung des Klaus Peter Schnüttger-Webs Museums nahm Ulrich Tillmann vor kurzem Stellung im Kölner Stadtanzeiger:
„Ja, wir hatten ein Angebot aus Berlin, unser Museum dort aufzuziehen. Das ist für uns natürlich hoch interessant, dennoch sind wir Köln sehr verbunden. Die Organisation von Schnüttger-Webs lebt schon lange hier, und nur das Rheinland ist der Ort für ein derartiges Museum. Mit solch einem Museum muss man sehr vorsichtig sein, es kann nicht überallhin versetzt werden und bedarf einer ganz bestimmten Bereitschaft der Betrachter, wie zum Beispiel die in dieser Region ausgeprägten Leidenschaft für das Absonderliche.“

Wer will, kann aus diesen Zeilen eine Perspektive für den Duisburger Innenhafen lesen.

Seit 1986 installiert Ulrich Tillmann an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Situationen sein Projekt Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum. Mit diesen Installationen nimmt Tillmann jeweils Bezug auf Ereignisse und Zustände von Kunst und Kunstvermittlung vor Ort. Unter dem Deckmantel einer Museumsausstellung inszeniert er ironische Kommentare zum bürokratischen und marktspezifischen Umgang mit Kunst.
Seit den 60er Jahren, in der die utopischen Impulse der historischen Avantgarden erschöpft schienen, wird das Museum als Institution vermehrt zum Thema der zeitgenössischen Kunst (Claes Oldenbourg´s Mouse-Museum, Daniel Spoerris Museé sentimental de Cologne,…).
Erinnert sei beispielsweise an Marcel Broodthaers, der ein Museé d´Art Moderne erschuf, das in Abteilungen und Sektionen untergliedert wurde, die er in seinen jeweiligen Ausstellungen realisierte.
„Es ist der grundlegende Zweifel an den Grundlagen der Wirklichkeit, die der Künstler zur Beschäftigung mit dem Museum führt. Broodthaers ging diesbezüglich mit einer radikalen Konsequenz vor, indem er die Welt der Kunst als Metapher für die Welt allgemein und ihre Gesellschaften nahm. Das Spiel mit dem Wirklichen ist zweifellos ein Hauptthema der Moderne. (…)
Es ist deshalb plausibel, warum die Künstler ihre eigenen Museen erfanden. Es geht um die Konkurrenz der Kunst mit einem sie tendenziell pervertierenden sozialen Umfeld. Es geht auch um die Rettung der Ideale der Kunst der Moderne. Will sie nicht in den Strudel der Merkantilisierung gerissen werden, muss sie sich eigene Modelle der Präsentation und der Dokumentation einfallen lassen.
Zur ironischen Variante dieser Museen gehört auch jenes für das Werk und die Wirkung des Klaus Peter Schnüttger-Webs.“ (Ulrich Tillmann)
Ein Sample der besten Filmproduktionen an der Hochschule rundet die Darstellung ab.

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