Omoshirogara

オモシロガラ

01.10.2021 – 27.02.2022

Im Museum DKM wird die außergewöhnliche Sammlung historischer Kimonos von Yoshiko Inui (JP) präsentiert. In den Mustern und Symbolen offenbart sich das ganze Drama der japanischen Modernisierung um 1900, die durch die Begegnung mit dem Westen angestoßen wurde.

Die Kimonos werden zusammen mit zeitgenössischen Werken von Yu Araki (JP), Erika Kobayashi (JP), Jong Ok Ri (JP/KR), Kei Takemura (JP), Yuichiro Tamura (JP) gezeigt.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Roger M. Buergel und der Stiftung DKM.

Kimono aus der Sammlung Inui
Courtesy Yoshiko Inui

Es ist gut 160 Jahre her, da erfand sich Japan neu. Es gab auch keine Alternative für das Inselreich, denn die Westmächte standen vor der Tür: mit Kanonenbooten und einem Katalog Forderungen. Damit begann ein Prozess der rapiden Modernisierung, der sämtliche Aspekte des japanischen Lebens ergriff – von der Familie und den Geschlechterbeziehungen über das Bildungssystem (Schule und Universität), die politische Verfassung und Verwaltung, bis hin zu Industrie und Militär. Der Kultur fiel die Aufgabe zu, die krassen Spannungen zwischen Tradition und Neuerung zu vermitteln. Genau deshalb ist es möglich die Geschichte des modernen Japan anhand nur eines, wiewohl einzigartigen Kleidungsstücks zu rekonstruieren: des Kimonos.

Gleich dem Kaiserhaus ist der Kimono eine Konstante des japanischen Lebens; er bleibt sich im Wesentlichen gleich. Weil nun der Kimono seine Form nicht ändert, müssen sich die Muster verändern, die ihn zieren. «Bizarre Muster» (so viel bedeutet omoshirogara) tauchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Mode die Moderne zu verarbeiten beginnt: Eisenbahnen, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Kino, Mickey Mouse, Postkarten oder auch Zeitungsberichte über militärische Heldentaten. Widmen sich die Muster vor 1900 einer Synthese von Tradition und Neuem, so zelebrieren die 1920er Jahre einen optimistischen Internationalismus mit Zeppelin und Olympischen Spielen. In den 1930er Jahren verdüstern sich die Farben und Symbole, als Japan mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien paktiert.

OMOSHIROGARA präsentiert die Sammlung der japanischen Textilhistorikerin und unumstrittenen Expertin auf dem Gebiet, Yoshiko Inui (Prof.em., Tokai Universität, Sapporo [JP]). Die Präsentation wurde konzipiert von Yoshiko Inui und Roger M. Buergel, mit wissenschaftlicher Beratung durch Hans B. Thomsen (Prof. f. Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Zürich).

Neben den Kimonos aus der Sammlung Inui zeigt OMOSHIROGARA Werke der zeitgenössischen Künstler Yu Araki, Erika Kobayashi, Jong Ok Ri, Kei Takemura und Yuichiro Tamura. Diese Werke, deren Auswahl Miwa Negoro und Mariko Mikami getroffen haben, bilden eine unverzichtbare Einführung in das Weiterleben der japanischen Historie zwischen der Meiji-Restauration (ab 1868) und dem Ende des Pazifischen Krieges (1945).

OMOSHIROGARA wird kuratiert von Roger M. Buergel, Miwa Negoro und Mariko Mikami.

OMOSHIROGARA ist die zweite Ausstellung, die Roger M. Buergel für das Museum DKM entwickelt (die erste, Barely Something in 2010, galt der künstlerischen Verbindung von westlichem Modernismus und chinesischer Tradition bei Ai Weiwei). In den kommenden Jahren sind weitere Ausstellungen Buergels für das Museum DKM geplant, die globale Verflechtungen zwischen Asien, Afrika und Europa zum Gegenstand haben.

Nenneko (kurzer, gefütterter Kimono, für eine Mutter mit Baby), Gründung von Mandschukuo, 1930er Jahre, Foto: SDKM

1933: Da die japanische Regierung vom Völkerbund beschuldigt wurde, die Mandschurei (Mandschukuo auf Japanisch) unrechtmäßig annektiert zu haben, wies sie die Ergebnisse der Kommission zurück und trat im März 1933 aus dem Völkerbund aus. Abgesehen von der weißen Taube zeigt das Kimono-Muster das Gebäude des Völkerbundes in Genf, Dampfschiffe auf dem Genfer See, landwirtschaftliche Arbeiten in den Ebenen der Mandschurei, eine Landkarte mit einem Japan, das sich bis nach Korea und Nordostchina erstreckt, sowie die Flaggen der USA und Großbritanniens mit der Flagge von Mandschukuo, dem japanischen Marionettenstaat.

Stofffetzen, Dōmei-Nachrichten (Nachrichten der Nachrichtenagentur Dōmei Tsūshinsha), ca. 1930er Jahre, Foto: SDKM

Der Film folgt der Geschichte auf einem Muster aus den 1930er Jahren.

Obi (Gürtel), Hanfmotiv mit Flaggen, ca. 1940, Foto: SDKM

Das Achsenbündnis erkannte die deutsche Vorherrschaft über den größten Teil Kontinentaleuropas, die italienische Vorherrschaft über das Mittelmeer und die japanische Vorherrschaft über Ostasien und den Pazifik an.

Juban (Unterkleid), Mickey Maus, ca. 1930s, Foto: SDKM

Mickey Mouse wird im Reich des Manga empfangen, Kimono-Muster.

Haori (Jacke), der Slogan »Ichioku-Isshin« (Hundert Millionen, ein Herz), ca. 1940, Foto: SDKM

Wie man ein richtiges japanisches Leben vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung führt, Kimono-Muster.

Leihgaben

Collection Inui, Sapporo (JP)
Hakusasonso Hashimoto Kansetsu Garden & Museum, Kyoto (JP)
Taka Ishii Gallery, Tokyo (JP)
Yutaka Kikutake Gallery, Tokyo (JP)
Yuka Tsuruno Gallery, Tokyo (JP)
Johann Jacobs Museum, Zürich (CH)
und private Leihgeber (DE, JP)

Kooperationspartner_innen

Diese Ausstellung wird gefördert und unterstützt von:

Ōta Memorial Museum of Art, Tokyo (JP)
Gallery Q, Tokyo (JP)
Keio University Library, Tokyo (JP)
Kogakujin University Library, Tokyo (JP)
Takashimaya Historical Museum, Osaka (JP)
Museum of Kyoto (JP)

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