Sarg für eine Spitzmaus

Ägypten _ Sammlung DKM _ 0001

Spätzeit bis frühe Ptolemäerzeit, 2. Hälfte 1. Jt. v.u.Z.
Foto: Werner J. Hannappel

Kupferlegierung, 7,5 x 1,9 x 3,1 cm LBH


Entzückt ist man beim Anblick dieser kleinen Spitzmaus mit ihrer rüsselartigen Schnauze und dem langen Schwanz. Aufgrund seiner Länge braucht er eine Stütze an seinem Ende, damit er nicht abbricht. Ihr Gesicht mit den großen Augen und den abstehenden Ohren ist sehr lebendig gestaltet. Die Maus steht auf einem langrechteckigen Kästchen, das einerseits als Basis für die Figur dient, andererseits aber zugleich auch den Sarg für das mumifizierte Tier bildete. Eine heute offenstehende Schmalseite diente zur Einführung der kleinen Mumie.
Die verschiedenen Phasen des Sonnenlaufes konnten durch einen einzigen Gott verkörpert werden oder in unterschiedlichen Gottheiten Gestalt annehmen. Ein später Mythos erzählt von Horus von Letopolis, der als Chentiirti bzw. Mechentiirti – d.h. als sehender bzw. blinder Gott – die Tages- bzw. Nachtseite der Sonne repräsentieren konnte. Die beiden unterschiedlichen Aspekte des Horus von Letopolis verkörperten Spitzmaus und Ichneumon oder Mungo (Schleichkatze). Die für den Ägypter “blinde”, teilweise unter der Erde lebende Spitzmaus verkörpert die Nachtseite, der Ichneumon dagegen mit seinen großen wachen Augen dessen Tagesseite. Aus der Spätzeit sind uns in großer Zahl Statuetten von Spitzmäusen und Ichneumonen erhalten, die wie hier oft auf kleine Särge montiert waren.

Andé Wiese

 

Literatur
G. Roeder, Ägyptische Bronzewerke, Pelizaeus-Museum zu Hildesheim, Wissenschaftliche Veröffentlichungen 3, Glückstadt 1937, plates 34, g. On the meaning of both animals see E. Brunner-Traut, Spitzmaus und Ichneumon als Tiere des Sonnengottes, in: NAWG 1965 (7), 123 –163.

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